
,,Sie bat mich, die Liebe leicht zu nehmen"
Kleinkunst: Bad Schwalbacher Quartett Rezitarre präsentiert am Büchnerhaus Musik, Lieder und Texte rund um die Liebe
Doch mit dieser Zugabe ist das Konzert von Rezitarre noch nicht aus, denn das lautstark mehr fordernde Publikum setzt sich durch: ,,The last rose of Summer" ist Nummer zwei, bevor der endgültige Rausschmeißer folgt: ,,My old friend the blues" erzählt die Geschichte von einem Menschen, für den es nichts anderes mehr als Blues schieben gibt.
,,Liebe - Geschichten, Lieder, Lyrik" nennt das Bad Schwalbacher Quartett das neue Programm, das die Gäste am Sonntag am Büchnerhaus genossen. Mit Rilke findet Rezitator Roskos den Einstieg in eine Welt musikalischer Poesie, von Michael Dauth gefühlvoll auf der Gitarre begleitet: ,,O gäb's doch Sterne, die nicht bleichen". Die Flöte von Barbara Litzki leitet englische Lyrik ein, die sie gemeinsam mit Siggi Soukup a cappella bietet: ,,Sie bat mich, die Liebe leicht zu nehmen" beschreibt ein Techtelmechtel junger Verliebter.Zartes gibt's mit ,,Kathy's Song" nach Paul Simon, während Lessing Derberes beisteuert (,,Wenn ich ein Bänklein nähren soll, so will ich es auch selbst gedrechselt haben"). Noch wird gelacht, da überraschen die Akteure mit einem emotionalen Umschwung. Schwermütig erklingt ,,Ich hab' heut' Nacht geträumet".
Einfallsreich unterlegt Dauth Heines ,,Laune der Verliebten", die Liebe eines Käfers zu einer Fliege, mit einem Präludium von Charpentier. Harte Riffs schlägt der Gitarrist bei Goethes ,,Morgenklagen" an: ,,O du loses, leidig-liebes Mädchen". Und schon wird es wieder lieblich mit Friedrich Halm: ,,Und sprich: Wie redet Liebe? Sie redet nicht, sie liebt!"Andreas Roskos mutet dem Publikum allerhand zu: ,,Als ich ein junges, zartes Mädchen war...". Gesungen wird das mittelalterlich-schottische Lied, in dem Thymian für Jungfräulichkeit steht, in Englisch: ,,Let No Man Steal Your Thyme". Und Rezitarre hat auch den eigenen Klassiker im Programm: Heines ,,Zur Teleologie" war ihr erstes gemeinsam entwickeltes Stück.
Frivol ist das Quartett, ohne die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten. Im Gegenteil: Den Geschmack des Publikums treffen die Vier immer wieder. Das ,,Hallelujah" nach Leonhard Cohen wird zum Paradestück für Barbara Litzki, deren Stimme bisweilen angenehm rauchig klingt. Bei dem einfach schönen ,,The Rose" von Bette Midler entfaltet sich der glockenhelle Sopran von Sigrid Soukup: ,,Liebe ist eine Blume und du ihr einziges Samenkorn." Beide Sängerinnen schafften es, den Zuhörern Schauer über den Rücken zu jagen.Das Publikum lässt sich umfangen von der Liebes-Lyrik des
unkomplizierten Ensembles, das eine ausbalancierte Mischung aus Spielen,
Sprechen, Singen präsentiert. Pablo Neruda, der ,,den Kelch deiner Feuerrose
sucht", steht ebenso auf dem Plan wie Peter Alexander, der bei der Senorita
ein Nachtquartier erheischt. Und schließlich gibt es mit ,,Die Bauern von
St. Pölten" doch noch eine Hochzeit: ,,Sie ritten alle Hengste, nur einer
eine Mähr', der Richter einen Esel, der weiser war als er."
Presseartikel zu unserem Konzert vom 16.3.2008 im Büchnerhaus in Riedstadt
| Tugendhafter
Hund als vierfüßiger weiser Nathan Konzert: „Rezitarre“ begeistert im Goddelauer Büchnerhaus mit ausbalancierter Mischung aus Spielen, Sprechen, Singen |
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| GODDELAU. „Als der
Schneeseekleerehfeedrehzehwehteekessel ausgetrunken war, hatte der
hellgelbe Schneeseekleerehfeedrehzehwehtee das
Schneeseekleerehfeedrehzehweh aus dem Schneeseekleerehfeedrehzeh der
Schneeseekleerehfee weggehext.“ Dieses Kettenwort-Monstrum kriegt nicht
jeder ohne Hängenbleiben hin. Andreas Roskos schon, wie er am
Sonntagabend im Goddelauer Büchnerhaus eindrucksvoll unter Beweis
stellte. Rezitation, Gesang und Mundharmonika waren sein Beitrag zum
Konzert von „Rezitarre“.
Eröffnet worden war das „Liebe“ betitelte Programm mit Heines tugendhaftem Hund, diesem vierfüßigen weisen Nathan. Und doch bleibt die Moral: „Nicht ganz und gar vollkommen ist. Der tugendhafte Hund – er frisst!“ Dargeboten als „Sandwichgedicht“, klemmte es Michael Dauth auf der Laute in leise Melodisches und mächtiges Stakkato ein. Den Gärtner als Räuber von Jungfräulichkeit nahm ein irisches „Aufklärungslied“ ins Visier. Mehr dem „abstrahierten Teil“ des Themas Liebe widmete sich das „Hohelied“ von Heine. Weiter führte der Weg durch Welt der Musik und Poesie zu „The Rose“ von Bette Midler: „Liebe ist eine Blume und du ihr einziges Samenkorn.“ Bei diesem einfach schönen Lied voller Herzenswärme entfaltete sich der glockenhelle Solo-Sopran von Sigrid Soukup. Das „Hallelujah“ nach Leonhard Cohen wurde zum Paradestück für Barbara Litzki (Gesang, Gitarre und Flöte), deren Stimme bisweilen angenehm rauchig klang. Beide Sängerinnen schafften es, den Zuhörern Schauer über den Rücken zu jagen. Das Programm des Quartetts begeisterte mit romantisch-erotischen Gedichten über ironische Lyrik bis zu emotional gesprochenen und gesungenen Gedichten. Wie „Die Geister, die ich rief“ aus Goethes Zauberlehrling als pseudokontrollierbar und sich verselbstständigend auftreten, wurde beim „Besenauftritt“ eines „jungen Kerls, der in die Pötte kommen will“, deutlich. Roskos lieferte ein herrliches Schauspiel zwischen triumphierendem Lachen eines Pubertierenden über einen (vermeintlichen) Erfolg und entsetzter Verzweiflung, die sich mit Angewiesensein auf den Meister paart. Weitere Kleinode der deutschen Lyrik folgten. Die Flüchtigkeit von Traumgespinsten berichtet Johann Peter Zu in seinem „Im Traum“, während Großkotzigkeit mit des Großmeister Goethes „Fischer“ gegeißelt wurde. Die ausbalancierte Mischung aus Spielen, Sprechen, Singen begeisterte die Gäste mit dem anrührenden irische Liebeslied „Lovers“ oder erheiterte sie mit dem wohl 1849 in Leipzig entstandenen Bänkellied vom Frauenzimmer Sabinchen. Doch sie ließ auch Bedrückung aufkommen, als das Quartett mit dem jiddischen „Oj, dortn, dortn, ibern Wasserl“ eine melancholische Wehklage formulierte: „Vertrieben hast du mich in ferne Länder.“ Einen apfelessenden Mitspieler und den Anfang der Bonanza-Titelmelodie gab es mit Lessings „Der über uns“, dessen Hinterfotzigkeit das Ensemble auch mit „Die Schöne von hinten“ herausstellte. „Dort, wo ich deine Liebe finde, dort werde auch ich sein“, empfanden die Zuhörer bei „Kathys Song“ nach Paul Simon mit. Und auch der Zugabenblock des mit Freude an der eigenen Kunst aufspielenden Ensembles hätte es allemal verdient gehabt, Teil des Hauptprogrammes zu sein. Wundervoll-traurig anzuhören war das traditionelle Lied vom Rosmarienbaum. Und noch einmal Roskos Mienenspiel bei dem „hocherotischen Stück deutscher Nachkriegsgeschichte“, einem Mitschnitt aus dem Film „Fünf Millionen suchen einen Erben“, in dem es da hieß: „Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n.“ Und als dann das auch von Steve Earle interpretierte „My Old Friend The Blues“ verklungen war, wollten die Gäste von diese Welt der Poesie kaum lassen. |
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Rezitarre in der Villa Lilly
Repertoire zwischen Heinrich Heine und Simon & Garfunkel

Rezitarre: Andreas Roskos, Barbara Litzki, Sigrid Soukup und Michael Dauth (vl).
Foto: wita/Fromme
Vom 30.06.2007
LINDSCHIED Zehn Jahre zwischen Heinrich Heine und Simon & Garfunkel.
Eine - zugegeben - knapp geratene Umschreibung des Repertoires der vier
Künstler von Rezitarre, die zum Geburtstag am Donnerstag da auftraten,
wo dereinst alles begann, im Therapiedorf Villa Lilly und dort im
"Wohnzimmer" des Hauses Claire.
Von
Martin Fromme
Oft hielt sich die Besucherzahl in den vergangenen Jahren auch im eher
familiären Rahmen, aber zum Zehnjährigen wurde es mit rund 70 Gästen
voll. Und die erlebten eine hörbar gereifte Leistung, angefangen bei
sehr anrührenden alten Liebesliedern und düsteren Todesvisionen bis hin
zu politischer Satire der klassischen Art mit aktuellem Bezug von
Heinrich Heine. Beispiel: "Euch ziemt es stets das Maul zu halten,"
passt durchaus in den Dunstkreis von G8 und Globalisierungsdemos in
Heiligendamm.
Das Programm von Rezitarre schafft es auf ganz erstaunliche Weise ein
Gleichgewicht zu halten. Einerseits, die eindrucksvollen Rezitationen
von Andreas Roskos. Vieltonig kraftvoll und so ironisch bis unverhohlen
sarkastisch trifft er die Substanz der Texte Heines, Goethes und von
Francois Villon. Das Publikum lachte und gab stürmischen Applaus.
Wesentlicher Bestandteil der Rezitationen war aber immer die
vergleichsweise stille Lautenbegleitung von Michael Dauth. Nicht weniger
ironisch, nicht weniger sarkastisch klingen Hänschenklein und die
Nationalhymne zu Heines Bestandsaufnahmen deutscher Charakterzüge - kein
Brutus und schon gar kein Caesar eher der gemütliche, brave Germane.
Die andere Seite jenes Gleichgewichts: historische und moderne
Liebeslieder, gefühlvoll gesungen von Sigrid Soukup und Barbara Litzki.
Die drückten ganz ohne Kitschhilfe auf manche Tränendrüse. Beklemmung
stellte sich ein, als jüdische Lieder von der Vertreibung der Juden
während der Zarenzeit erzählten. Auch Todesbetrachtungen von Theodor
Storm - "Die Zeit ist hin" - ließen es still werden in der Villa
Claire.
Der Ursprung von Rezitarre ist die Liebe zur Lyrik, bei Michael Dauth
wie Andreas Roskos. "Wie interessierten uns für das Gleiche, ohne
voneinander zu wissen," berichtet Michael Dauth. Aber die Geister trafen
sich und aus Rezitation und Gitarre wurde Rezitarre vervollständigt
durch den Gesang von Sigrid Soukup und Barbara Litzki, die zudem Flöte
und auch Gitarre spielt. Alle vier Künstler stammen aus der Region:
Andreas Roskos aus Bad Schwalbach, Sigrid Soukup aus Breithardt, Barbara
Litzki aus Laufenselden. Michael Dauth ist mittlerweile nach
Freigericht gezogen.
Der nächste Auftritt von Rezitarre ist am 7. September im Kellertheater in Michelbach.
Entführung in die Welt von Musik und Poesie
Konzert: „Rezitarre“ gibt ein Benefiz-Gastspiel in der Kunstgalerie am Büchnerhaus
GODDELAU. Die Gruppe „Rezitarre“ war bei ihrem letzten Auftritt dieses
Jahr am Büchnerhaus zu Gast. Der Raum in der Kunstgalerie war bis auf
einen Platz gefüllt.
Andreas Roskos (Rezitation und Gesang), Barbara Litzki (Gesang und
Flöte), Sigrid Soukup (Gesang) und Michael Dauth (Gitarre und Gesang)
hat die Leidenschaft für das Werke Heinrich Heines zusammengeführt. Ihr
Ziel ist es literarische Werke, vor allem Lyrik, einem breiteren
Publikum vorzustellen. Deshalb reisen die Vier von „Rezitarre“ durch
Deutschland und entführen mit Texten und Liedern des 16. bis 19.
Jahrhunderts Zuschauer jeden Alters in die Welt der Musik und Poesie.
Wundervoll und voller Wunder – die Reaktion im Publikum war durchweg
positiv. Käthe Göttsche aus Wolfskehlen etwa nannte es „fantastisch“,
„ansprechend“ und „einfach perfekt“. Sie war, wie einige der anderen
Zuschauer auch, zum ersten Mal zu Gast bei dem Quartett, das bereits
mehrfach in der Kunstgalerie aufgetreten ist.
Das Programm der aus Bad Schwalbach stammenden Vier reichte von
romantisch-erotischen Gedichten über ironische Lyrik bis zu emotional
gesprochenen und gesungenen Gedichten. Die für den Gesang zuständige
Siegrid Soukup, auch Siggi und von den Kollegen liebevoll „Das Küken“
genannt, sang trotz Krankheit hervorragende Stücke mit einer
einzigartigen Note, wie auch Barbara Litzki, die ebenso mit Gesang wie
den Klängen der Flöte begeisterte. Als Premiere war Goethes
Zauberlehrling zu hören. Weitere Stücke von ihm folgten.
„Rezitarre“ selbst bezeichnen ihre Auftritte als Gedichte in Verbindung
mit Musik und Gesang. Gespielt, gesprochen und gesungen werden bei ihren
Auftritten neben den Klassikern auch weniger bekannte Werke von
Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Busch, Gotthold
Ephraim Lessing und vielen anderen.
Für die Zukunft plant das Quartett, eine CD aufzunehmen. Interessenten
können die Gruppe übrigens auch für private Auftritte buchen: nähere
Informationen dazu finden sich auf der Homepage www.rezitarre.de.
Darüber hinaus gibt Michael Dauth unter der Rufnummer 06055 937395
telefonisch Auskunft.
nag
26.9.2006

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Dem
Dasein etwas erotische Würze verliehen
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"Rezitarre"
gastiert im Alten Rathaus/Humorvolles und Hintersinniges aus
deutsch-sprachiger Lyrik
Das Ensemble -
Andreas Roskos mit Rezitation und Gesang, Michael Dauth mit der Gitarre
und Gesang, Sigrid Soukup mit Gesang und Barbara Litzki mit Gesang und
Flöte - erfreut seit 1997 das Publikum mit humorvollem und
hintersinnigem Vortrag aus deutsch-sprachiger Lyrik. Andreas Roskos, im
Hauptberuf in der Drogenberatung tätig, ist ein Naturtalent des
Ausdrucks. Er, wie überhaupt die ganze Gruppe, haben Freude an ihrer
Kunst, die sie in jedem Augenblick ihres zweistündigen Programms
vermitteln. Roskos bedeutungsvolle Mine beim Vortrag und sein
verschmitztes Lächeln suggerieren hintergründiges Wissen, fangen die
Aufmerksamkeit der Zuhörer ein und zaubern Lachen in die Gesichter,
wenn er "die Katze aus dem Sack gelassen" hat.
Ausgewählte
Liebes-Gedichte mit Musik und Gesang verbindend, verliehen die vier
begabten Amateure bekannten und weniger bekannten Texten alter und neuer
Meister neue Aussagekraft und polierten sie zu wahren Kleinodien auf.
Alles dies wird getragen, gestützt und umrahmt von Michael Dauths
exzellenten Gitarrenklängen, der Höhepunkte und den
"Knalleffekte" instrumental verstärkt. In drei bis vier
Proben pro Woche arbeitet das Ensemble zusammen, was die Harmonie der
Truppe untereinander fördert, wie die Zuhörer unschwer feststellen können.
Nicht zuviel
versprochen hatten sie daher auch nicht mit ihrer Zusage, mit dem
internationalem Liedgut des 16. bis 20. Jahrhunderts, ihre Gäste
humorvoll und hintersinnig in eine Welt der Poesie und Musik zu entführen.
Mit Rudolf Baumbachs "Tempora Mutantur" (die Zeit ändert
sich), begann das Quartett mit einer Anleihe bei Flora und Fauna,
wechselnd zu Goethes "Maienlied", einem schönen romantischen
Liebeslied an seine elsässische Angebetete, zeitweilig in vierstimmigem
Gesang, untermalt von Gitarrenspiel, im Duett gesungen oder mit Sigrid
Soukups wunderschönem Solo-Sopran. Goethes "Morgenklagen" an
Christiane Vulpius erzeugte, ob des großen Dichters
"Jeremiade" und Roskos Minenspiel, einen Anflug von
Schadenfreude.
Das anrührende
irische Liebeslied "Lovers" entzückte die Zuhörer. "Im
Traum" von Johann Peter Uz zeigten sich Flüchtigkeit von
Traumgespinsten, während Goethes "Tagebuch" mit Augenzwinkern
den zweifelhaften moralischen Wert erzwungener Sittlichkeit
thematisierte. Ein zartes Duett sangen die beiden Frauen in "Mein
Herz ich will dich fragen" von Friedrich Halm, mit dem englischen
Lied "The Rose", wurden die Zuhörer in die Pause entlassen.
Mit den Gemütsbewegungen
heftigerer Art, verursacht von "Haralds heißem Herzen" von Börries
Freiherr v. Münchhausen, dem Bild einer knall-bunten Bauernhochzeit mit
tumultartigem Finale, gezeichnet in den Bauern von St. Pölten, wurde
die Auswahl herzhafter und erreichte über Heines "das
Hohelied", das jüdische Liebeslied "Ohj dortn",
"Die Zeit ist hin" von Theodor Storm, und das "Ensemble
von Francois Villon - die Ballade von Villon und seiner dicken Margot -,
mit dem Irischen Traditional "The gardener's son" das Finale.
Mit vielen Zugaben, die sie großzügig spendeten, schlossen die vier Künstler
- mit der Anmerkung, dass deutsches Volks-Liedgut viele schöne
Liebeslieder beinhalte - den Abend mit dem bekannten Volks-Liebeslied
"Wenn alle Brünnlein fließen".
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| Musik mit Regenrohr und Geige |
| Romantisch-erotische Gedichte und
Lieder mit „Rezitarre“ im Therapiedorf Villa Lilly Vom 29.11.2001 Lindschied. Kultur mit „Rezitarre“ im Therapiedorf Villa Lilly in Lindschied. „Blühende Gedanken: Romantisch-erotische Gedichte und Lieder“ lockten fast 50 junge und ältere Zuhörer in das Kaminzimmer der dortigen Villa Claire. Christine Dressler Das Publikum, das jeweils zur Hälfte aus Patienten des Therapiedorfs Villa Lilly und Gästen aus dem Untertaunus bestand, wurde nicht enttäuscht. Das vierköpfige Ensemble „Rezitarre“ hatte ein abwechslungsreiches Programm auf hohem Niveau zusammengestellt. Besonders begeisterte Sigrid Soukops Gesang. Mit „Blühende Gedanken“ präsentierte die Gruppe, die sich 1999 unter dem Dach der Bad Schwalbacher „Taunusbühne“ gründete, jetzt ihr zweites Programm. Nachdem das erste Heinrich Heine gewidmet war, „wollten wir ein Konzeptprogramm machen“, erklärte der 38-jährige Rezitator und Therapeut in der Villa Lilly, Andreas Roskos. Auf das Thema Erotik stießen er und der 40-jährige Gitarrist und Komponist Michael Dauth, Lehrer an der Nikolaus-August-Otto-Schule, als Zuständige für die Textauswahl „beim Wühlen nach Gedichten“ zufällig. „Wir stellten fest, dass es dazu sehr viel gibt.“ Acht Autoren aus fünf Jahrhunderten sowie internationale Lieder wie „The gardener\'s son“, „The Rose“, “Wenn alle Brünnlein fließen“ oder das deftige „Die Bauern von St.Pölten“ umfasste das Programm. Neben bekannten Dichtern wie Goethe, Heine und Lessing gaben „Rezitarre“ auch Kostproben völlig Unbekannter. So trug der 22-jährige Johannes Ludwig, der Maschinenbau in Darmstadt studiert, „Ein Traum“ des Anakreontikers Johann Peter Uz (18. Jahrhundert) vor. Roskos donnerte die humoristisch-dramatische Ballade „Harald“ von Börries Freiherr von Münchhausen (19./20. Jh.) ins Publikum und brachte es mit einer bissigen Fabel Rudolph Baumbachs zum Lachen. Dazu kamen Verse von Lessing, Francois Villon und Theodor Storm. Dauth, der auch alle Sprechvorträge auf der Gitarre einfühlsam untermalte und dabei zum Teil von Ludwig auf der Geige, mit dem Regenrohr oder einer Glocke unterstützt wurde, hatte einige Gedichte komplett vertont. Das Publikum faszinierte auch das inhaltlich unerwartet breite Spektrum. Es reichte von leichten Tändeleien und erotische Phantasien über handfeste Beschreibungen und Absurd-Lustigem bis zu traurigen Abschieds- und Resignationsversen. Dass gerade ältere Werken vieles nur andeuten und umschrieben, erhöhte den Reiz zusätzlich. Ebenso begeisterte der Abwechslungsreichtum des jede Woche probenden Ensembles in den Vorträgen selbst. Der eindringliche Gesang der 37-jährigen Soukop, die die übrigen Künstler mitunter begleiteten, jagte den Zuhörern Schauer über den Rücken. Ludwig spielte auf dem Treppengeländer lümmelnd einen apfelessenden Jüngling. Roskos imitierte mit einem Füller den schreibenden Goethe und brachte jede denkbare Gefühlsregung in das Kaminzimmer: Er lächelte und grimmte, flüsterte und polterte, ballte die Faust und streckte voll Sehnsucht die Hände, jammerte und schwärmte, überzeugte schüchtern wie unverschämt, höflich-zartfühlend wie verdrossen-launisch. Michael Schwind von der Dorfleitung freute der Erfolg des Abends sehr. Man habe alle Ziele erreicht, so sein Resümee: Kultur in das geschichtsträchtige Haus zu bringen, Patienten und Gästen Ansprechendes zu bieten und damit das Dorf nach außen zu öffenen. Mit Villons derben Geständnissen eines Zuhälters wollte keiner „Rezitarre“ trotz später Stunde entlassen. Alle klatschten so lange, bis das widerstrebende Ensemble doch zwei Zugaben nachlegte und den Enthusiasmus des Publikums belohnte, als Soukops Stimme noch einmal im irischen Lied „Lovers“ erklang.
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